Interview planen, Interview vorbereiten

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus unserem eBook Aufnehmen, Abtippen, Analysieren – Wegweiser zur Durchführung von Interview & Transkription.

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Inhaltsverzeichnis dieses Artikels


Planung Interview

 

Die Planung eines Interviews

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Bei der Planung qualitativer Interviews sind ein entsprechender Vorlauf und Pufferzeiten unabdingbar. Dies ist vor allem deswegen wichtig, da es von dem Gegenüber abhängt, ob und wann das Interview stattfinden kann. Bei vielbeschäftigten Personen hat ein Interview für eine Forschungsarbeit möglicherweise nicht die oberste Priorität, sodass ein solcher Termin oft verschoben oder abgesagt wird.

Folgende Schritte sind bei der Planung der Interviews empfehlenswert:

Identifikation Interviewbedarf
Auch wenn es in der Realität oft genau andersherum läuft, sollten sich die benötigten Interviewpartner aus dem Erkenntnisinteresse ergeben. Bevor man also jemanden anspricht, sollte man sehr genau überlegt haben, warum gerade diese Person für die eigene Erhebung wichtig ist und welche Fragen man stellen möchte.

Der ideale Interviewpartner sollte sich aus dem Erkenntnisinteresse ergeben.

Ansprache des Interviewpartners
Sobald man das Idealprofil eines Interviewpartners definiert hat, findet man durch eine einfache Internetrecherche meist schnell potenzielle Interviewpartner.

Der einfachste Weg diese von der Teilnahme des Interviews zu überzeugen ist per Telefon. E-Mails führen oft zu verzögerten Reaktionen, sofern überhaupt die richtige E-Mail-Adresse ermittelbar ist.


Die Ansprache des Interviewpartners erfolgt am einfachsten per Telefon.

Eine freundliche Ansprache per Telefon führt im Idealfall zu einer unmittelbaren Terminvereinbarung für das Interview. Diese kann mit der interviewten Person selbst oder über deren Sekretariat erfolgen. Selbst wenn man noch gar nicht weiß, welche Person für das Thema zuständig ist oder keine Durchwahl besitzt, kann man sich mit einem freundlichen Angang über die Telefonzentrale durchstellen lassen.


Bei der Terminvereinbarung hilft eine freundliche Ansprache – Der Termin kann mit der interviewten Person direkt oder über deren Sekretariat vereinbart werden.

Man sollte dabei hartnäckig bleiben und sich nicht abwimmeln lassen. Dies kann besser gelingen, wenn man sich bereits vorab überlegt, inwiefern das Gegenüber von dem Interview profitieren würde. Dies kann z.B. die Zurverfügungstellung der Ergebnisse sein. Weitere, zu planende Themen sind der Ort und die Zeit, die Sprache, das technische Equipment, die inhaltliche Struktur sowie Rechtliches und Datenschutz, worauf in den folgenden Abschnitten jeweils kurz eingegangen wird.


Vor Ort oder per Telefon und Internet – wo Interviews führen?

Vorbereitung Interview

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Bezüglich des Ortes ist grundsätzlich zu klären, ob das Interview persönlich oder fernmündlich per Telefon oder Videokonferenz stattfinden soll. Sofern der Ort weiter entfernt ist, gibt es eigentlich keinen großen Vorteil von einem persönlichen Termin, da der Kosten- und Zeitaufwand hoch ist. Die Qualität der Ergebnisse verschlechtert sich auch bei einem gut geplanten und durchgeführten Telefon- oder Skype-Interview nicht oder nur geringfügig.

Auf folgender Seite finden Sie eine ausführliche Anleitung zu Remote-Interviews, also Interviews per E-Mail, Telefon oder Skype.

Für Termine vor Ort sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass eine volle Aufmerksamkeit und gute Akustik gegeben sind, damit eine störungsfreie Aufnahme des Gesprächs möglich ist. Auch wenn diese für ein lockeres Gespräch möglicherweise attraktiv erscheinen, eignen sich belebte Plätze wie Cafés oder Restaurants grundsätzlich nicht für gute Interviews, denn Ablenkungen und Lärm sorgen für Beeinträchtigungen des Gesprächs und der Aufnahme.


Achtung hohe Geräuschkulisse: Belebte Plätze sind grundsätzlich nicht für gute Interviews geeignet.

Gut eignen sich der Wohn- oder Arbeitsort des Befragten, da die Interviewpartner an einem vertrauten Ort meist offener und entspannter sind und im Zweifel auch offen gebliebene Fragen unmittelbar klären können, zum Beispiel mit einer kurzen Recherche in den vor Ort vorhandenen Unterlagen.


In einer vertrauten Umgebung sind die Interviewpartner offener und entspannter.


Bei einem längeren Gespräch ist es sinnvoll, dass Getränke und Snacks bereitgestellt werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass Kekse o.ä. zu Stör- und Essgeräuschen führen können und die Aufnahme somit
gestört wird.

Bei Remote-Interviews sollte man vor dem tatsächlichen Interview stets eine Testaufnahme machen. Es kann immer vorkommen, dass Störgeräusche das Gesprochene überlagern und die Worte des Interviewten somit nicht verständlich sind. Hierzu empfehlen sich eine Reihe von Apps für die Aufnahme. Ausführliche Informationen finden sich dazu auf folgender Seite zu Remote-Interviews.


Dauer des Interviews / Wie lange ein Interview führen?

Dauer Interview

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Als Grundregel lässt sich nahezu jedes Thema in einem gut strukturierten und fokussierten Interview innerhalb von 1 – 1,5 Stunden besprechen. Eine längere Dauer führt oft dazu, dass die Konzentration sowohl des Befragten als auch des Interviewers nachlässt und folglich Aspekte besprochen werden, die nicht mehr zum ursprünglichen Thema passen.


Für ein gut strukturiertes Interview sollten 1 – 1,5 Stunden eingeplant werden – bei längeren Interviews kann schnell die Konzentration nachlassen.

Wichtig ist vor allem, dass der zeitliche Rahmen bereits vorab besprochen wird, dass also von vornherein klar ist, wie viel Zeit der Interviewpartner hat. Die einzelnen Fragen sollten dann auf die verfügbaren Minuten aufgeteilt werden und dieser Zeitplan eng verfolgt werden, sonst sind bei Ende der Zeit möglicherweise noch Fragen offen. Dies gilt allerdings nicht bei einem wenig oder teilstrukturiertem Interview.

Der Interviewer sollte rechtzeitig vorher vor Ort sein und bereits vor dem Gespräch die Aufnahme vorbereitet und getestet haben.

Als grober Richtwert lassen sich 3-4 offene Fragen in 10 Minuten besprechen. Wenn man 10 offene Fragen hat, sollte man dafür also in etwa eine halbe Stunde einplanen. Bei weniger verfügbarer Zeit sollte eine thematische Eingrenzung stattfinden. Die Beantwortung geschlossener Fragen nimmt dementsprechend weniger Zeit in Anspruch.


Für offen-gestellte Fragen sollte mehr Zeit eingeplant werden, als für geschlossene Fragen – in 10 Minuten lassen sich etwa 3-4 offene Fragen klären.

Bei mehreren Interviews hintereinander sollte es zwischen den einzelnen Gesprächen ein ausreichendes Zeitfenster geben, da die tatsächliche Zeit der Interviews oft schlecht kalkulierbar ist.

Grundsätzlich sollte man für jedes Vor-Ort-Interview einiges Material mitbringen und vor dem Termin auch doppelt kontrollieren, dass man alles dabei hat.

Material für Interviews

  • Interviewleitfaden
  • Ausreichend Papier (für Notizen und Skizzen)
  • Infoblatt mit Informationen über den Hintergrund und Zweck des Interviews
  • Schreibgerät (Bleistift, Kugelschreiber)
  • Aufnahmegerät
  • Ersatzbatterien oder Stromkabel
  • Kamera
  • Anschauungsmaterialien (wenn benötigt)

Sprache: In welcher Sprache Interviews führen?

Sprache Interview

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Sofern Interviewer und Interviewter verschiedene Sprachen sprechen, spielen bei der Auswahl dieser für das Interview verschiedene Faktoren eine Rolle.

Der Interviewte sollte möglichst in seiner Muttersprache sprechen können, um eloquent und spontan antworten zu können. Im Idealfall sollte die Sprache auch der Auswertungssprache (z.B. der Masterarbeit) entsprechen. So können Aussagen für die weitere Bearbeitung unmittelbar übernommen werden und müssen nicht mehr übersetzt werden.

Am einfachsten gelingen Interviews, wenn sie in der eigenen Muttersprache geführt werden – Idealerweise entspricht diese auch der Auswertungssprache.

Aufnahmen mit starkem Dialekt erschweren möglicherweise die spätere Transkription und Auswertung erheblich. Es ist daher bei solchen Sprechern zu empfehlen, dass zu Beginn und auch während des Gesprächs freundlich darauf hingewiesen wird, dass die Antworten möglichst in Hochdeutsch gegeben werden. Sollten einzelne Wörter wegen Dialekt oder Aussprache (z.B. Nuscheln) nicht verständlich sein, empfiehlt es sich, unmittelbar nachzufragen, da dies sonst bei der Transkription oder der Auswertung meist nicht mehr nachträglich geklärt werden kann.


Dialekt kann Transkription und Auswertung erschweren – werden einzelne Wörter nicht verstanden, sollte unmittelbar nachgefragt werden.

Typischerweise imitieren Teilnehmer in einem Gespräch unbewusst das Verhalten des Gegenübers. Sollte der Interviewte daher besonders schnell, vernuschelt oder undeutlich sprechen, so sollte der Interviewer im Gegenzug besonders langsam, klar und deutlich reden. Dies verbessert dann meist automatisch die Verständlichkeit des Interviewten.

Sollten bei dem Interview bestimmte Fachbegriffe oder Fremdwörter vorkommen, die dem Befragten möglicherweise nicht unmittelbar bekannt sind, empfiehlt sich eine vorherige Definition dieser.

Es lohnt sich Fachwörter oder Fremdwörter vor dem Interview ggf. zu recherchieren und zu definieren – wenn das Interview in einer Fremdsprache geführt wird, sollten auch die wichtigen Vokabeln vorbereitet werden.

Interviews in einer Fremdsprache erfordern eine besondere Vorbereitung: Fragen, mögliche Fachbegriffe und wichtige Vokabeln sollten vorher recherchiert und vorbereitet werden. Grundsätzlich sollte man hier vorab sich ehrlich selbst einschätzen, ob die eigenen Sprachkenntnisse ausreichen, um auch eventuelle Feinheiten zu verstehen und auf spontane Entwicklungen im Gespräch zu reagieren.


Gruppeninterview oder Einzelinterview?

Interviewleitfaden

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Bei der Entscheidung zwischen Gruppen- und Einzelinterviews scheint es auf den ersten Blick oft attraktiv, dass bei einer Gruppe mehrere Personen gleichzeitig befragt und damit Zeit gespart werden kann. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Einzelinterviews meist sehr viel zielführender, strukturierter und daher für eine Auswertung besser geeignet ablaufen. Bei Gruppengesprächen entwickelt sich oft eine Eigendynamik, die das Gespräch von einem vorher geplanten Rahmen abweichen lässt. Weiter übernehmen oft bestimmte Personen größere Redeanteile zu Lasten von anderen, zurückhaltenderen Teilnehmern.


Einzelinterviews laufen oft strukturierter ab als Gruppengespräche – Gruppeninterviews entwickeln meist eine Eigendynamik.

Gruppengespräche eignen sich immer dann besonders, wenn gerade diese Eigendynamik und Diskussion unter den Teilnehmern gewünscht und für das Erkenntnisinteresse zentral sind.

Gruppeninterviews sind in jedem Fall zeitaufwändiger, was bei der Planung berücksichtigt werden sollte. Bei mehreren Personen ist besonderes Augenmerk auf die Aufnahmetechnik zu legen. Hier reicht meist ein Mikrofon oder Handy als Aufnahmegerät nicht aus, sondern es müssen mehrere Aufnahmegeräte jeweils möglichst nahe an den Teilnehmern platziert werden.


Bei Gruppeninterviews ist eine gute Aufnahmetechnik besonders wichtig.

Bei Gruppengesprächen ist es darüber hinaus durchaus üblich, dass einzelne Teilnehmer spontan ihre Sitzplätze wechseln, etwas an ein Flipchart o.ä. skizzieren oder auch im Stehen sprechen. Die Aufnahmetechnik sollte solche Sonderfälle ebenfalls erfassen können.

Wenn für die spätere Auswertung eine Sprecherzuordnung wichtig ist, dann ist bei mehreren Sprechern eine Videoaufnahme oder ein Sprecherprotokoll unabdingbar. In letzterem wird in einer einfachen Tabelle festgehalten, welche Person (über Personenkürzel) zu welchem Zeitpunkt spricht, so dass dies bei der späteren Transkription korrekt zugeordnet werden kann. Häufig werden die Befragten zu Beginn des Interviews dazu aufgefordert, vor jedem Beitrag ihren Namen zu nennen. Erfahrungsgemäß wird dies allerdings meist nicht bis zum Ende des Gesprächs durchgehalten.


Videoaufnahmen sind gut für Gruppeninterviews geeignet – diese erleichtern u.a. die Sprecherzuordnung bei der Transkription.

Während des Gesprächs ist eine strikte Moderation entscheidend für die zu gewinnenden Erkenntnisse. Der Moderator muss das Gespräch entlang des Leitfadens strukturieren und Abschweifungen zu anderen Themen unterbinden. Sofern sich interessante Diskussionen unter den Teilnehmern ergeben, sollte sich der Moderator aber durchaus auch einmal zurückziehen können, um die Eigendynamik einer solchen Diskussion nicht zu unterbinden. Grundsätzlich wird es von den Teilnehmern meist geschätzt, wenn der Moderator zu den organisatorischen Eckpunkten des Gesprächs (z.B. Pausen) klare Ansagen macht und hierfür keinen langwierigen konsensualen Findungsprozess wählt.


Bei Gruppengesprächen sollte ein Moderator bestimmt werden, der das Gespräch leitet und die Struktur aufrechterhält.

Bei der Zusammensetzung der Teilnehmer des Gruppengesprächs ist es empfehlenswert, dass diese möglichst unterschiedliche Meinungen und Aussagen vertreten. So ergeben sich spannende Diskussionen, welche die gegenläufigen Argumente pointiert gegenüberstellen können.

Sollten sich die Teilnehmer gegenseitig noch nicht kennen, so empfiehlt sich eine Vorstellungsrunde. In jedem Fall empfiehlt sich bei einer Gruppendiskussion eine ausführliche Einleitung, welche den Rahmen für die folgende Diskussion absteckt.

Um bei einer Gruppendiskussion den Rahmen abzustecken, empfiehlt sich eine Einleitung.

Wenn Sie eine Gruppendiskussion durch uns verschriftlichen lassen möchten, dann finden Sie hier weitere Informationen zur Transkription von Gruppendiskussionen.


 

Vor- und Nachteile von Gruppendiskussionen

Vorteile:

  • Entspanntere Atmosphäre, dadurch höheres Engagement
  • Größere Themenvielfalt
  • Längere Dauer (Meinungen und Hintergründe können besser erfasst werden)
  • Unterschiedliche Meinungen
  • Kosten- und Zeitersparnis durch Zusammenfassung mehrerer Interviewpartner
  • Interaktionen in der Gruppe sorgen für neue Einsichten und stimulieren Erinnerungen


Nachteile:

  • Nur begrenzte Zahl an Fragen durch Interviewleiter möglich
  • Einzelne Teilnehmer können Gruppe dominieren
  • Teilnehmer können sich gegenseitig beeinflussen
  • Dynamik des Gesprächs machen Notizen schwierig
  • Gefahr von Abschweifungen vom Thema
  • Auswertung ist aufwendiger (da z.B. Sprecherzuordnung oft nicht sehr einfach ist)

Interviewfragen entwickeln und strukturieren

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Eine gute Struktur eines Fragebogens kann in diesem Leitfaden nur angeschnitten werden. Da dieser für jedes Interview eine zentrale Rolle spielt, ist eine vertiefte Beschäftigung mit diesem Thema empfehlenswert. Hierzu gibt es eine ganze Reihe von einschlägiger Literatur.

Es wird zwischen unterschiedlich strukturierten Interviews unterschieden

1. Wenig-strukturiertes Interview

  • Offene Fragen
  • Zusatzfragen, Veränderung des Wortlautes einer Frage und Nachhaken erlaubt
  • Wird vor allem zu Beginn einer Untersuchung eingesetzt, um Zusammenhänge zu erkennen
  • Auch als Tiefen- oder Intensivinterview bezeichnet
  • Geht stark in die Breite und Tiefe, sehr freies Gespräch
  • Meist nur rudimentärer Leitfaden und einige Themengruppen
  • Hohe Freiheit für Forscher, kann individuell auf Befragten eingehen

Vorteil: Hoher Erkenntnisgewinn, insbesondere Detailwissen, mehr Raum für eigene Formulierung, geht stärker in die Tiefe

Nachteil: Interviewer muss erfahren sein und sich auskennen, Ergebnisse am Ende nicht standardisierbar

2. Teilstrukturiertes Interview

  • Fragen sind vorbereitet und formuliert, Reihenfolge bleibt jedoch offen
  • Gesprächsleitfaden wird verwendet
  • Auch spontane Fragen oder Reaktionen auf Themen möglich

Vorteil: Ergebnisse sind besser vergleichbar

Nachteil: Auch hier Erfahrung des Interviewführers notwendig, Interviewer hat Einfluss auf die Befragung

3. Stark strukturiertes Interview

  • Geschlossene Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten (oder Ja/Nein Auswahl)
  • Inhalt, Anzahl, Reihenfolge und Formulierung der Fragen sind genau festgelegt
  • Bei mehreren Kategorien keine Überschneidung der Antworten und positive und negative  Antwortmöglichkeiten im Gleichgewicht
  • Einsatz meist im Endstadium der Untersuchung
  • Asymmetrische Kommunikationsstruktur, Interviewer darf nicht auf Nachfragen des Befragten eingehen, sehr weit entfernt von normalem Gespräch
  • Methodisches Abarbeiten des Fragebogens
  • Inhalt, Anzahl, Reihenfolge und Formulierung der Fragen sind genau festgelegt

Vorteile: Sehr gute Vergleichbarkeit der Ergebnisse, Interviewführer muss nicht geschult sein, das Interview kann auch von jemand anderem geführt werden, hohe Standardisierung und damit gute Vergleichbarkeit der Daten, viele Personen können in geringer Zeit befragt werden

Nachteil: Exakte und sorgfältige Vorgehensweise wichtig, geringer Spielraum für Fehler oder Abweichungen. Eventuell gehen durch vorher festgelegte Antworten Zusatzinformationen verloren.

Nicht nur der Inhalt der Fragen ist wichtig, sondern auch wie diese formuliert werden. Man unterscheidet zwischen offenen („Wie haben Sie sich in der Situation damals gefühlt?“) und geschlossenen („Sind Sie dafür oder dagegen?“) Fragen. Vor allem bei offenen Fragen ist das Interview als Erhebungsmethode gut geeignet. Wenn man vor allem Antworten für geschlossene Fragen sucht oder reine Fakten abfragen möchte, reicht dafür oft ein Fragebogen, ein Interview ist dann gar nicht nötig.


Offene Fragen eignen sich besonders gut für ein Interview – Geschlossene Fragen können ebenso über einen Fragebogen beantwortet werden.

Bei offenen Fragen sind Antworten manchmal schwer vorherzusehen, daher ist ein häufigeres Nachhaken und Präzisieren nötig. Offene Fragen werden meist als W-Frage (erzählungsgenerierende Frage) gestellt, die den Interviewten zu einem längeren Monolog auffordern soll.


W-Fragen animieren den Interviewten dazu, ausführlichere Antworten zu geben.

Offene FragenGeschlossene Fragen
Der Befragte muss sich erinnernDer Befragte muss etwas wiedererkennen
Weniger AntwortenMehr Antworten
Der Befragte macht sich intensiv selbst GedankenMögliche Suggestivwirkung
Höheres Engagement und Interesse des Befragten, da die Situation gesprächsähnlicher istHöhere Einheitlichkeit der Antworten, dadurch bessere Vergleichbarkeit
Ziel: Erforschung des ProblemfeldesZiel: Prüfung der Hypothesen

Insbesondere die Eröffnung des Interviews ist wichtig, da sie den Grundstein für das weitere Gespräch legt. Die Einführung sollte dabei vorab konzipiert und eingeübt werden. Ein gutes Gespräch beginnt dabei mit dem Herstellen einer offenen und freundlichen Atmosphäre, z.B. über Small Talk. Zu Beginn sollte dann die Bereitschaft des Befragten am Interview teilzunehmen gewürdigt und das generelle Thema der Forschung erläutert werden. Ebenfalls sollten gleich am Anfang Hinweise zum Datenschutz gegeben werden. Abzufragende Fakten (Alter, Ausbildung etc.) sollten, wenn überhaupt am Ende erhoben oder besser in einen separaten Fragebogen ausgelagert werden.

Eine offene und freundliche Atmosphäre verspricht einen guten Gesprächsbeginn.

Die entscheidenden und eventuell kontroversen Fragen sollte man nicht direkt am Anfang stellen, sondern lieber mit unproblematischen Fragen beginnen. Das gibt dem Befragten die Möglichkeit, sich an die Situation zu gewöhnen. Man sollte dabei auch bedenken, dass für den Interviewpartner die (theoretischen) Vorüberlegungen unbekannt sind. Die Fragen sollten daher möglichst einfach und wenig komplex formuliert werden. Hierbei hilft es, Probeinterviews zu führen, bei denen man prüfen kann, wie Fragen ankommen, welche Missverständnisse entstehen und um sich selbst an die Interviewsituation zu gewöhnen.


Fragen sollten möglichst einfach und wenig komplex formuliert werden – Probeinterviews helfen bei der Vorbereitung.

Der Fragebogen gibt die Struktur des Interviews vor. Der Interviewer sollte daher sämtliche Fragen daraus auswendig kennen. So ist es ihm auch möglich, abhängig vom Gesprächsverlauf zwischen einzelnen Fragen zu springen und so eine natürliche Gesprächssituation durch die vorgegebene Struktur nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Kurze Notizen zu den beantworteten Fragen helfen bei der Formulierung von Folgefragen. Eine komplette Mitschrift während des Gesprächs ist für dieses meist sehr störend, zeitaufwändig und nicht zielführend, dies wird dann ja durch die Transkription erledigt.

Die Fragen sollten auswendig gelernt werden – das verhilft zu einer natürlichen Gesprächssituation.

Für eine gute Gesprächsführung gibt es darüber hinaus folgende praktische Tipps:

  • Keine suggestiven Fragen stellen („Sind Sie wie ich der Ansicht, dass…?“)
  • Zurückhaltung und den Befragten reden lassen, dabei auch keine Angst vor Gesprächspausen
  • Kein Bewerten oder Kommentieren der Aussagen, aber durch kleinere Signale wie Kopfnicken oder Bestätigungslaute Aufmerksamkeit signalisieren
  • Gesprächspartner ausreden lassen
  • Leitfaden nicht chronologisch abarbeiten, sondern auf natürlichen Verlauf des Gesprächs achten

Es macht darüber hinaus Sinn, den Leitfaden bzw. zumindest dessen Fragen vorab dem Interviewpartner zur Verfügung zu stellen, damit sich dieser auf die Fragen vorbereiten kann.

Typische Anfängerfehler

  • Zu häufiges Nachfragen und dadurch dominierender Kommunikationsstil
  • Zu zögerliches Nachfragen
  • Suggestive Fragen und Vorgaben
  • Zu viele bewertende oder kommentierende Aussagen
  • Probleme damit, den anderen reden zu lassen und zuzuhören
  • Dogmatisches Festhalten am Gesprächsleitfaden
  • Fragen werden doppelt gestellt

Interviews und Datenschutz

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Spätestens durch die Diskussionen zur europäischen DSGVO hat das Thema Datenschutz eine erhöhte Bedeutung und Aufmerksamkeit erhalten.

Das Wichtigste ist hierbei, dass der Befragte transparent und vollständig über den Sinn und Zweck der Befragung sowie über die weitere Verwendung der Daten informiert wird. Diese Information sollte im besten Fall schriftlich fixiert und übergeben werden. Die Zustimmung des Interviewpartners sollte vor dem Interview eingeholt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Ergebnisse nicht genutzt werden dürfen.

Inbesondere sollte der Interviewte dabei informiert werden, wie das Interview aufgenommen und gespeichert wird, ob die Aussagen anonymisiert oder mit Klarnamen verwendet werden und ob das Interview ganz oder teilweise veröffentlicht wird, z.B. im Anhang der Abschlussarbeit.

Bereits vor dem Interview sollte der Interviewte über den Zweck informiert werden und eine Zustimmung für die Weiterverarbeitung eingeholt werden.

Eine Datenschutzvereinbarung sollte dabei folgende Informationen enthalten:

  • Name des Befragten
  • Angaben zum Interviewführer
  • Zweck der Arbeit, beabsichtigte Verwendung der Daten
  • Einverständnis zur Nutzung der (ggf. anonymisierten) Daten zum beabsichtigten Zweck
  • Art der Anonymisierung der Daten und Sorgfalt bezüglich Datensicherheit
  • Art der Aufzeichnung
  • Art und Weise der Weitergabe der Daten (z.B. an Universität)
  • Ort und Dauer der Speicherung

Der Gesprächspartner sollte dem Umgang mit diesen Daten explizit zustimmen, entweder schriftlich per Unterschrift oder mündlich zu Beginn der Aufzeichnung.


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Weitere Fragen und Antworten

✅ Wie sollte man ein Interview planen und vorbereiten?

Folgende Punkte sollten man für ein gelungenes Interview planen und vorbereiten und mit dem Interviewpartner besprechen:
Ort des Interviews (persönlich, per Telefon, per Skype oder Zoom)
Dauer des Interviews
Sprache des Interviews
Einzel- oder Gruppeninterview (bei mehreren Interviewten)
Interviewleitfaden
Datenschutz

✅ Sollte man ein Interview vor Ort oder über Telefon/Internet führen?

Wenn ein persönliches Treffen einfach zu organisieren ist, dann ist ein persönliches Treffen für ein Interview hilfreich, um auch non-verbale Aussagen mitzubekommen.

Grundsätzlich ist der Erkenntnisgewinn auch bei einem Interview über Telefon oder Internet aber nahezu gleich gut als bei einem persönlichen Gespräch. Wichtig ist aber die Beachtung einiger Tipps für das Gelingen solcher Remote-Interviews.

✅ Wie lange sollte ein Interview dauern?

Als Grundregel lässt sich nahezu jedes Thema in einem gut strukturierten und fokussierten Interview innerhalb von 1 – 1,5 Stunden besprechen.

Eine längere Dauer führt oft dazu, dass die Konzentration sowohl des Befragten als auch des Interviewers nachlässt und folglich Aspekte besprochen werden, die nicht mehr zum ursprünglichen Thema passen. Um nicht abzuschweifen, empfiehlt sich die Nutzung von einem Interviewleitfaden.

✅ Welchen Datenschutz muss man bei einem Interview beachten?

Die wichtigste Regel zum Datenschutz bei einem Interview ist es, die Aufnahme, Speicherung, Weiterverwendung, Veröffentlichung und Löschung der Daten und Inhalte transparent zu besprechen.

Eine entsprechende Datenschutzvereinbarung sollte enthalten:
– Name des Befragten
– Angaben zum Interviewführer
– Zweck der Arbeit, beabsichtigte Verwendung der Daten
– Einverständnis zur Nutzung der (ggf. anonymisierten) Daten zum beabsichtigten Zweck
– Art der Anonymisierung der Daten und Sorgfalt bezüglich Datensicherheit
– Art der Aufzeichnung
– Art und Weise der Weitergabe der Daten (z.B. an Universität)
– Ort und Dauer der Speicherung

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